Der Bergbau in Turrach
Der kleine Ort Turrach liegt auf 1.300 m Seehöhe, mitten in den Bergen an der steirisch-kärntnerischen Grenze. Turrach verdankt seine Entstehung dem Bergbau und der dazugehörigen Eisenerzeugung, welche bis Ende des 19. Jahrhunderts bestand und internationalen Ruhm erlangte.
Der Bergbau in Turrach selber ist wesentlich älter: dies bestätigt ein Lehensbrief aus dem Jahr 1256, indem der Eisenerzbergbau an Ulrich von Liechtenstein, Herr zu Murau verliehen wurde. Von den Liechtensteinern ging die Herrschaft auf die Grafen von Schwarzenberg über.
Zum Bergbau kam es im Jahre 1661, Johann Adolf Fürst zu Schwarzenberg ließ im Steinbachgraben nach Kupfererzen suchen, die fand er zwar nicht, dafür aber hochwertiges Eisenerz. Die Konzession Eisen zu schmelzen wurde noch im selben Jahr vom Kaiser erteilt und somit konnten auch der Bau eines Stuckofens und kurz darauf ein Blahofen beginnen. Durch den Zubau eines Hochofens wurde ein nutzbringender Betrieb geschaffen. Der Transport der Erze erfolgte im Winter mit Ziehschlitten und im Sommer mit Holzkarren.
Um die Mitte des 19. Jahrhunderts betrug die jährliche Erzmenge zwischen 5.600 und 6.700 Tonnen. Zur Erzielung dieser Förderung hätten bei einem ganzjährigen Betrieb 30 Bergarbeiter genügt. Da aber in der Grube wegen der besseren Möglichkeit des Abtransportes der Erze zur Hütte nur in den Wintermonaten gearbeitet wurde, waren damals rund 60 Bergarbeiter nötig. In den Sommermonaten waren in der Grube nur wenige Arbeiter vorwiegend mit Erhaltungs- und Erschließungsarbeiten beschäftigt.
Im Bergbau waren damals insgesamt über 200 Menschen beschäftigt, in der Eisenhütte an die 100. Wenn man deren Familien dazugerechnet und alle jene, die durch Bergbau ihren Lebensunterhalt verdienten, waren dies zwischen 800 und 1.000 Personen. Im Jahre 1869 konnten im Ort Turrach noch 1.369 Bewohner gezählt werden.
Im Jahr 1863 erlangte das Eisenwerk in Turrach weltweite Anerkennung, als dort das 1. Bessemer-Stahlverfahren auf dem europäischen Kontinent angewandt wurde.
Mit dem Aufkommen der großindustriellen Eisenerzeugung und den Konzernen konnte das verhältnismäßig kleine Werk in Turrach nicht mithalten. Um 1906 wurde die Eisen- und Stahlerzeugung eingestellt und somit auch der Erzbergbau. Somit mussten auch die Leute abwandern und sich an anderen Orten ihr Geld verdienen.
Heute wohnen im Ort Turrach selbst nur mehr wenige Familien, Forstarbeiter und kleine Bergbauern. Die technischen Anlagen zerfielen und somit ist nur mehr sehr wenig vom stolzen Betrieb erhalten.
Genaue Daten zum Schwarzenbergischen Berg- und Eisenwerk in Turrach
1660
Beginn des Bergbaues und der Verhüttung.
Errichtung eines Floßofens es war dies einer der ersten in der Steiermark
In dieser Zeit wurde auch die Bergbruderlade eingerichtet. Sie war eine der fortschrittlichsten Sozialeinrichtung ihrer Zeit . Aus dieser Bruderlade wurden die ärztliche Betreuung der verletzten und kranken Bergmänner und Hüttenarbeiter bezahlt als auch Unterstutzungszahlungen an Witwen und Waisen sowie die Altersversorgung getätigt Diese hatte bis in die 30er Jahre des 20. Jahrhunderts ihren Bestand.
1726
Mit dem Stiftungbrief vom 24.Juni ließ Fürst Adam Franz zu Schwarzenberg die Kirche in Turrach auf eigene Kosten errichten, welche 1727 fertiggestellt wurde.
1748
Neuregelung der Eisenordnung durch Kaiserin Maria Theresia
1783
Neubau der Straße nach Turrach ,Herstellung der Durchfahrt am Hohen Steg welcher erst 1978 durch einen Straßentunnel ersetzt wurde.
1784
Ankauf einer Feuerspritze und Regelung des Feuerlöschwesens im Werk Turrach,
und Eisetzung eines Nachtwächters der die Feuergefahr in der Nacht überwachte.
1785
Schweres Hochwasser in Turrach welches die Eisenwerke mit dem Ruin bedrohte
1823-1844
Brachte Peter Tunner sen. das Turracher Werk zu großem Ansehen und zum führenden Eisenwerk in der Steiermark.
Bau eines neuen Hochofens, des Verwesamtes, Magazins und eines großen Kohlbarrens für 5.000 m"3; Holzkohle.
1834
Unter der Leitung von Peter Tunner persönlich wurde die Straße in die Ebene Reichenau ausgebaut
Es wurde auch von Fürst Adam Adolf zu Schwarzenberg die erste Schule eingerichtet
1837
Das neue Verweserhaus wird gebaut ( Heute ist dort die Forstverwaltung untergebracht)
1847-1848
Gießereibetrieb vergrößert, 2 Kupolöfen gebaut. In Turrach war die drittgrößte Gießerei in der Steiermark. Hier wurden u.a. Maschinenteile, Dachziegel für Murau und Anbindesäulen für den Hafen in Triest gegossen.
1851
Es wurde die Schleusenanlage am Turracher See mit einer Wasserleitung errichtet um die Versorgung des Wasserrades am Winderzeuger bei Niedrigwasser zu sichern,was sich später beim Bessemerverfahren als sehr hilfreich erwies.
1863
Höhepunkt der Turracher Eisenindustrie: Errichtung der ersten Bessemerbirne in Österreich-Ungarn (Die Gemeinde Predlitz-Turrach führt daher die Bessermerbirne in ihrem Wappen)
1865
Wurde im Bessemerhaus bereits mit 3 Bessemerkovertern gearbeitet.
Größte Produktion: 14.000 Tonnen Erzabbau, 4.500 Tonnen Roh- und Gusseisen sowie 1.700 Tonnen Bessemerstahl
Am 27. November brennt der Dachstuhl der Bessemerhutte ab.Nur der gunstigen Windrichtung war es zu Danken das am Werk kein größerer Schaden entstand
Leider war ein Todesopfer zu beklagen
1872
Höchster Beschäftigungsstand:
340 Knappen,Schmelzer,Röster, Holzknechte, Köhler, Erzzieher und Zimmerer
Es wurde auch mit 1363 Einwohner der höchste Enwohnerstand erreicht
1877
Die Schule wurde zu einer öffentlichen Schule umgewandelt, welche bis 1991 Bestand hatte .
1894
wurde die Murtalbahn in Betrieb genommen , was aber die Turracher Eisenwerke nicht retten konnte
1899
Mit dem Vertrag vom 14. April Verpachtung sämtlicher fürstlichen Eisen und Hammerwerke in der Steiermark an die Firma Schöller & Co in Wien
Der Bergbau wurde in Eigenregie weitergeführt wobei sich Schöller & Co zur Abnahme einer Mindestmenge an Erz und den rationellen Betrieb des Eisenwerkes Turrach mit Ausnahme der Bessemerhütte verpflichtete. Durch die schlechte Ertragslage wurde der Betrieb 1906 wieder in Eigenregie durch das Haus Schwarzenberg weitergeführt. Am 17.September 1908 ordnete Fürst Adolph Josef zu Schwarzenberg ordnete die endgültige Schließung des Werkes Turrach im Frühjahr 1909 an.
24. Juli 1909
Einstellung der Eisenproduktion
1933
Ende der Bergbruderlade als soziale Einrichtug der Bergmänner nach über 300 Jahren.
1941
Die Reichswerke AG der Alpinen Montanbetriebe Hermann Göring führten Tiefbohrungen zur Untersuchung der Turracher Erzlager durch.Angesichts der Ergebnisse wurde vom Optionsrecht für einen Abbau kein Gebrauch gemacht,
1959
Einstellung des Anthrazitabbaus
Verhüttung von Eisenerzen in Turrach (Methoden)
Der Floßofen
Fast gleichzeitig mit dem Beginn der Gewinnung von Brauneisenerzen im Steinbachgraben im Jahre 1660, beginnt im Ort Turrach auch die Verschmelzung zu Roheisen. Zu dieser Zeit wurden bereits ein Floßofen und fünf Jahre später ein neuer und verbesserter Floßofen in Betrieb genommen. Dieser hatte im Gegensatz zum allgemein üblichen Stuckofen den Vorteil eines kontinuierlichen Betriebes.
Beim Floßofen wurden in bestimmten Zeitabständen Abstiche gemacht, wobei das flüssige Roheisen in ein vorbereitetes Sandbett abfloss, wo es zur Flosse erstarrte.
Die Einführung des Floßofenbetriebes in Turrach war für die damalige Zeit sehr fortschrittlich, es war nach heutigem Wissensstand der zweite Ofen dieser Art in der Steiermark.
Im Jahre 1778 war - laut damaligen Verweser Widtermann der Hochofen meist 5 bis 6 Monate während der kalten Jahreszeit in Betrieb. Innerhalb eines Tages wurde ca. 8- bis 10-mal abgestochen (das flüssige Roheisen wurde in das vorbereitete Flossenbett gegossen).
Der Holzkohle-Hochofen
Als Peter Tunner d.Ä. das Verwesamt in Turrach übernahm, befand sich der Floßofen bereits in einem schlechten Zustand, dass Josef II. Fürst zu Schwarzenberg 1824 den Bau eines neuen, dem damaligen Stand der Technik entsprechenden Holzkohle-Hochofens genehmigte.
Dieser verbesserte die Leistungsfähigkeit des Eisenwerkes beträchtlich, da die doppelte Menge an Roheisen bei einem stark verringerten Holzkohleverbrauch lieferte. Im neuen Hochofen konnten auch die bis dahin unbrauchbaren Erze (ockerbraune und weiße Spaterze) mit verhüttet werden.
Flammröstofen
Unter Peter Tunner d.Ä. wurde auch ein Flammröstofen errichtet, wodurch es möglich wurde, auch Feinerze zu verhütten. Vorher störten die Feinerze sowohl den Röst- als auch den Hochofenbetrieb, da sie die Durchgasung des Röst- und Schmelzgutes behinderten und die Öfen schließlich zum Ersticken brachten.
Bessemerbirne
Im Jahre 1863 wurde in Turrach die letzte große technische Erneuerung die erste Bessemerbirne auf europäischem Festland vorgenommen. Diese in England von Henry Bessemer entwickelte Methode zur Stahlerzeugung war eine hervorragende technologische Neuerung. Der Einsatz dieses Verfahrens war für die damalige Zeit eine Pionierleistung.
Beim Bessemerverfahren wird das flüssige Roheisen in einen birnenförmigen, feuerfest, ausgekleideten Stahlbehälter (Konverter), der drehbar in einer Achse gelagert ist, eingebracht.
Durch Einblasen von Luft von unten in das flüssige Roheisen wird dieses von unerwünschten Beimengungen wie Mangan und Silizium größtenteils befreit und eine Verminderung des Kohlenstoffgehaltes bewirkt, wodurch es zu Stahl wird. Zur Gewährleistung eines erfolgreichen Betriebes wurde ein leistungsstarkes Gebläse errichtet, das mit Wasserkraft betrieben worden ist.
Die Bessemerbirne aus dem Eisenwerk in Turrach steht heute als technisches Denkmal im Technischen Museum in Wien. Eine originalgroße Nachbildung kann jedoch auch im Montanmuseum Holz & Eisen in Turrach besichtigt und bewundert werden.


